Wer heiratet teilt sich die Sorgen die er vorher nicht hatte

Auf Deutschlands Kabarett- und Comedy-Bühnen ist man sich ziemlich einig. Männer und Frauen passen nicht zusammen. Wir erfahren seit Jahren, warum Frauen nicht einparken können, warum Männer immer gleich danach einschlafen, und beim anderen Geschlecht ist es natürlich genau andersrum. Auf zahllosen Ü30-, Ü40 und Ü55-Parties genießen fröhlich hüpfende Ringlose ihre Freiheit. Die Zahl der Singles steigt scheinbar exponentiell mit der Anzahl der von Internet-Partner-Platformen geschalteten Fernsehwerbespots. Und das sind eine Menge. Der risiko- und verpflichtungsscheue Deutsche im 21. Jahrhundert wählt dann doch lieber die Lebensabschnittsgefährtin als das holdes Eheweib.


Gut heiraten geht auch, es muss ja nicht so lange sein. Die Wissenschaft sieht eine Entwicklung von der Gruppenehe über die Mehrehe hin zur Einehe. Aber, bei der heutigen Scheidungsrate geht diese Entwicklung scheinbar weiter, und die nächste Evolutionsstufe heißt „Mehrfachehe“, also schon mehrere Ehepartner, aber eben nacheinander.


Bernd Stelter steht kurz vor der Silberhochzeit, ein im Unterhaltungsbusiness eher seltenes Fest. Und er macht sich so seine Gedanken über die Ehe. Wenn „verheiratet sein“ bedeutet, dass man zumindest einmal mehr darüber nachdenkt, bevor man sich trennt, dann hat sich das teure Hochzeitsfest vielleicht schon gelohnt, meint er.


Er ist halt gerne verheiratet, der alte Genießer-Spießer, und das glücklich, obwohl er auch immer gleich danach einschläft. Aber seine Frau kann sehr gut einparken.


„Wer heiratet teilt sich die Sorgen, die er vorher nicht hatte"


Ist das nicht ein negativer Titel für ein positives Programm. „Nee, überhaupt nicht! Nur wer die Sorgen anderer teilt, wird ein glücklicher Mensch!“ Sagt Stelter und lächelt - glücklich.

Von Bären, Clowns & Schokolade - Ein Liederabend

Sechs Kabarettprogramme gibt es mittlerweile. Es begann mit „Geschichten aus der Vorstadt“, ging über „Papa ist ne Knackwurst“, „Pubertät ist mehr als Pickel“, „Mittendrin“, „Mundwinkel hoch“, und das aktuelle Programm trägt den prägnanten, griffigen Titel: „Wer heiratet, teilt sich die Sorgen, die er vorher nicht hatte!“


Alle Programme waren gespickt mit Liedern. Und wenn nach drei Jahren alle Stadthallen und Theater bespielt waren, dann gab es ein neues Programm. Und all die schönen Lieder verstaubten auf der Festplatte. Schade! Hat er sich gedacht, und deshalb gibt es jetzt den Liederabend: „ Von Bären, Clowns und Schokolade“.


„Es gibt Leute, die sind durch nichts auf der Welt dazu zu bewegen, ihren größten Hit zu singen!“, sagt Stelter zu Beginn des Konzerts. Er singt den „Bär“ gleich zu Beginn: „Dann haben wir das schon mal hinter uns!“


Mit siebzehn schrieb er das Lied über Berlin. Aber mit über fünfzig entstand das Lied „Ikarus“. Es erzählt die Geschichte von dem Jungen, der mit siebzehn zum ersten Mal in Berlin war, der mit achtundzwanzig am 9. November 1989 auf der Berliner Mauer stand, und der heute Dankbarkeit und Demut empfindet, wenn er in Erfurt, Dresden und Luckenwalde auf der Bühne stehen darf. Bei „Von Bären, Clowns und Schokolade“ singt er sie nacheinander.


Auch die Liebeslieder haben sich verändert. „Abschied“ von 1990 klingt doch ein bisschen anders als „Neugierig auf Dich“ von heute. Es gibt ein Wiederhören mit hinreißendem Klamauk, mit Geschichten über die Kinder und die Familie, es gibt Gassenhauer und Balladen. Ein Abend mit den Liedern und mit den Geschichten dazu.


Manche sagen, „Von Bären, Clowns und Schokolade“ sei emotionaler oder gefühlvoller als die Kabarettprogramme. Bernd Stelter sagt: „Ich weiß es nicht, es ist mir auch egal!“ Er will ja bekanntlich nur eins: einen tollen Abend!